Silvia Gingold oder: Der Feind in unserem Haus

Ihr „Fall“ ging im Herbst vorigen Jahres durch alle deutschen Medien.

Und auch im Ausland wurde über die antifaschistische Lehrerin Sylvia Gingold berichtet, die vom Verwaltungsgericht Kassel mit ihrer Forderung abgewiesen wurde, endlich die Bespitzelung durch den Verfassungsschutz zu beenden. Das Gericht lastet Sylvia Gingold ihre Mitgliedschaft in der VVN- Bund der Antifaschisten an, die sich bis heute zum Schwur von Buchenwald am 19. April 1945 auf dem Appellplatz bekennt, in dem es u.a. heißt: „Wir schwören vor aller Welt: Die Vernichtung  des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ Silvia Gingold oder: Der Feind in unserem Haus weiterlesen »

25. Antifaschistische Nordkonferenz der VVN-BdA

Gedenken an die Opfer des NS-Staates

Swingmusik statt Marschmusik und Kasernenhof-Drill

Widerstand der Jugend gegen das NS-Regime

Unmittelbar nach der Machtübertragung an die NSDAP im Januar 1933 ging die Nazipartei daran, alle Vereine und Verbände unter ihre Herrschaft zu stellen. Das Gleichschaltungsgesetz verfügte die Absetzung gewählter Vorstände und die Einsetzung eines „Führers“, der Mitglied der Nazipartei sein musste. Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Nazis der Jugend, die in Vorbereitung auf den Krieg im Sinne der neuen Machthaber ideologisch ausgerichtet und vormilitärisch ausgebildet wurde.
Der Sport diente in erster Linie der „Wehrertüchtigung“. Hitlers Wahlspruch war, der deutsche Junge der Zukunft solle „flink wie ein Windhund, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“ sein. Hinzu kamen die Rassemerkmale blond und blauäugig. Mädchen wurden die Rollen späterer Mütter zugewiesen. In Uniformen mit Hakenkreuzen und Rangabzeichen gesteckt, boten Mädchen und Jungen nach außen ein gleichförmiges Bild. Marschmusik wurde als herrschender Musikstil vorgeschrieben.
Anfänglicher Begeisterung, die durch Fahnenappelle, Lagerfeuer und Mutproben erzeugt wurde, wich im Laufe der Jahre nach und nach einem Überdruss, der sich zunächst unpolitisch emotional äußerte. Die Jugend hatte mehr und mehr Schleiferei, Kasernenhof-Drill und „zackige“ Marschmusik satt. Hinzu kam, dass nach den ersten „Blitzerfolgen“ die Kriegsromantik verflog und deutlich wurde, dass sich der Krieg noch lange hinziehen würde.
Immer mehr Jugendliche mussten ihre Ausbildung abbrechen und wurden mit der Aussicht an die Front geschickt, notfalls ihr Leben für „Deutschlands Ehre“ zu opfern.
Zwar fehlte eine politische Orientierung, aber auch Swingmusik statt Marschmusik und Kasernenhof-Drill ohne eine solche wandten sich Teile der Jugend vom NS-Regime ab. Sie sehnten sich nach einer anderen Lebensform, die sich zum Beispiel in der Musik ausdrückte. Sie sickerte aus skandinavischen Ländern und den USA ein und wurde vor allem über die Hafenstadt Hamburg verbreitet.
Weit über die Grenzen hinaus waren auch die „Edelweißpiraten“ aus dem Ruhrgebiet bekannt.
Junge Leute hörten in Cafés, Kinos, Eisdielen und  auf privaten Partys Swingmusik.
Immer mehr Jugendliche wollten sich auch äußerlich von den braunen Uniformen unterscheiden. Karierte Sakkos, weite Hosen nach englischem Vorbild, Schuhe mit Kreppsohlen und  zurückgekämmte  Haare waren äußere Zeichen des Protestes.
Die Nazis liefen Gefahr, dass ihnen die Herrschaft über die Jugend entglitt und eine Massenbewegung entstand, die nicht mehr zu kontrollieren sein könnte. Swingmusik wurde verboten. Es kam zu Hausdurchsuchungen und Verhaftungen.
Anhänger der Swing-Jugend wurden in das KZ Hamburg-Fuhlsbüttel eingeliefert oder kamen ins Jugend-KZ Moringen bei Göttingen, wo etliche von ihnen starben.
Herbert Diercks, wissenschaftlicher Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme ist den Spuren der Swing-Jugend nachgegangen. In Wedel liest er aus Tagebüchern, Protokollen und Berichten von Zeitzeugen. Unterstützt wird er durch Swing-Musik Einlagen der „Elbsound 5“, der fünfköpfigen Formation des Elbsound Jazz Orchestra. Außerdem werden Schülerinnen und Schülern aus
Wedel auftreten, die sich in Projekten auf das Thema des Abends vorbereitet haben.
27.1.2018
Gedenken an die Opfer des NS-Staates
V.i.S.d.P. Irmgard Jasker, Hasenkamp 8, Wedel

Eintritt 4 € – ermäßigt 1 €

GEGEN DAS VERGESSEN – Freiheit statt Diskriminierung

Eine Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer und die Verfolgten des Nationalsozialismus von und mit Schülerinnen und Schülern der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule, der Bismarckschule, der Boje-C.- Steffen-Gemeinschaftsschule, der Elsa-Brändström-Schule, der Erich Kästner Gemeinschaftsschule, der Freien Waldorfschule und der Leibniz Privatschule in Elmshorn.

Zum zehnten Mal gestalten Elmshorner Schülerinnen und Schüler eine gemeinsame thematische Veranstaltung zu diesem Gedenktag mit unterschiedlichen Beiträgen. GEGEN DAS VERGESSEN – Freiheit statt Diskriminierung weiterlesen »

Bejarano & Microphone Mafia sup. The Dirty dozen – live in Neumünster

22. November 2017

Es gibt nur noch wenige Zeitzeugen, die uns von den Verbrechen der Nazis berichten können. Esther Bejarano wird im Dezember 93 Jahre alt. Am 11. November 2017 war sie hier in Neumünster zu Gast. Und sie hat hier an einem sehr eindrucksvollen Abend im vollbesetzten „statt theater“ im Haart über ihre Erlebnisse berichtet.

Esther Bejanaro ist Überlebende des KZ Auschwitz und des KZ Ravensbrück. Als Musikerin steht sie bis heute auf der Bühne. 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert und hatte dort das Glück im Unglück, im Mädchenorchester zu musizieren. Sonst hätte sie das wohl nicht überlebt, wie sie an diesem Abend berichtete.

In einem Interview mit dem Radiosender „FSK Hamburg“ aus dem Januar 2015 erzählt Esther sinngemäß Folgendes:

Esther Bejerano ließt die eigene Geschichte – von Auschwitz über Ravensbrück in die Freiheit

Es war 1945. Ich war zusammen mit sieben Mädchen auf dem Todesmarsch, die ich in Malchow kennengelernt hatte. Wir gingen alle zusammen in einer Reihe. Wisst ihr, was ein Todesmarsch ist? Auf jeder Seite ging ein SS-Mann mit Gewehr. Wenn jemand hingefallen war, wurde er sofort erschossen, wenn er nicht schnell genug aufstand. Ich und meine Freundinnen horchten auf, als ein SS-Mann sagte „Es darf nicht mehr geschossen werden“. Da haben wir uns entschieden, aus der Kolonne wegzugehen. Der Marsch ging zur Ostsee. Was hatte man mit uns vor, wo sollen wir hin? Die bringen uns dort hin, die werden uns ertränken. In Ravensbrück hatte man uns gesagt, wir sollen uns Zivilkleidung unter der Häftlingskleidung anziehen. Die kommunistischen Frauen im KZ Ravensbrück hatten ein Radio in einer Decke versteckt und wussten genau, was draußen los ist, wo sind die Russen. „Die Russen sind schon kurz vor der Tür.“ Als wir durch einen Wald gingen, sind wir eine nach der anderen aus der Kolonne ausgeschieden. Wir Frauen haben uns im Wald wieder getroffen, sind durch den Wald geirrt und sind dann zusammen weiter. Irgendwann stießen wir auf amerikanische Tanks (Panzer). Die Amerikaner haben sich gefreut, dass sie helfen konnten. Das Ganze hat sich abgespielt in Mecklenburg (im Ort Lübz). Wir sind dann eingeladen worden in ein Restaurant. Ein Amerikaner sagte: „Ihr müsst uns jetzt erzählen, woher ihr kommt.“ Dann haben wir aus Auschwitz und Ravensbrück erzählt. Ich konnte Englisch und hab ihnen vom Mädchenorchester erzählt, in dem ich Akkordeon spielte. Eine halbe Stunde später habe ich dann zusammen mit den Amerikanern Akkordeon gespielt. Der Amerikaner holte etwas und sagte dann: „Das ist dein Akkordeon“. Bejarano & Microphone Mafia sup. The Dirty dozen – live in Neumünster weiterlesen »

ZEIT-ZEUGE Nr. 13 Mai 2017

7. November 2017

Schwerpunktthemen:
70 Jahre VVN
Bundeskongress der VVN-BdA
Ostermarsch Lübeck 2017
Die Cyber-Strategie der Bundeswehr
nonpd bleibt unsere Forderung /
Nachlese zum Versagen des Bundesverfassungsgerichts

Zeitzeuge Ausgabe 13 (PDF)

ZEIT-ZEUGE Nr. 12 November 2016

7. November 2017

Schwerpunktthemen:
Gemeinsam gegen Rassismus und Krieg
Deine Stimme gegen die AfD
Deutsche Außen- und Sicherheitspolitik
Keine Bundeswehr an Schulen
1. September: A N T I K R I E G S T A G
Friedensdemo in Berlin
Portrait: K A R L   K A E H D I N G

Zeitzeuge Ausgabe 12 (PDF)

Auf jede Antwort noch mehr Fragen: Der NSU-Komplex

Vortrag mit Monchi (Feine Sahne Fischfilet) und Katharina König-Preuss (DIE LINKE /Thüringen) am Sonntag, 12. November 2017 – 17:00 Uhr, Jüdische Gemeinde Pinneberg, Clara-Bartram-Weg 14, 25421 Pinneberg

„Was hat der Staat damit zu tun? Wer steht hinter dem NSU? (…)“ heißt es im Lied „Nur Applaus“ von Feine Sahne Fischfilet, mit dem die Band den NSU-Komplex musikalisch thematisiert.
Seit 2011 beschäftig(t)en sich zwölf Untersuchungsausschüsse, diverse Gremien sowie der Mammut-Prozess in München mit dem NSU-Komplex. Darüber hinaus recherchieren diverse investigative Journalist*innen und antifaschistische Gruppen zahlreiche Details, welche zur Aufklärung beitragen. Mit NSU-Watch hat sich eine bundesweite Initiative aus antifaschistischen Gruppen und Einzelpersonen gebildet, die den NSU-Prozess sowie die diversen Untersuchungsausschüsse begleiten, protokollarisch abbilden und inhaltlich mit eigenen Rechercheergebnissen ergänzen.
Der NSU-Prozess steht nach ca. vier Jahren Verhandlung kurz vor seinem Ende: aller Voraussicht nach werden Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, André Eminger und die anderen Angeklagten verurteilt – offen ist allein, zu welcher Strafe.
Ungeklärt sind weiterhin die Fragen nach dem Unterstützungsnetzwerk des NSU, nach gesellschaftlicher Verantwortung, nach der Kenntnis und den Verwicklungen des Staates in den NSU-Komplex.
Monchi und Katharina werden in ihrem Vortrag mit anschließendem Gespräch den bisherigen Stand der Aufklärung des NSU-Komplexes darstellen und sich insbesondere den Fragen zu gesellschaftspolitischen Bedingungen, welche die Entwicklung von Neonazi-Strukturen begünstig(t)en – wie dem Rassismus, der sich als roter Faden durch den NSU-Komplex zieht – als auch den Verwicklungen des Verfassungsschutzes in den NSU-Komplex widmen, um davon ausgehend Analysen für antifaschistische Arbeit zu ziehen.
Monchi (Jan Gorkow) ist seit Jahren in antifaschistischen Bewegungen aktiv und Mitglied der Band „Feine Sahne Fischfilet“, die seit 2012 vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Neben Aktenvernichtungen zum NSU-Komplex war es dem Verfassungsschutz ein gescheitertes Herzensanliegen, die Konzerte von Feine Sahne Fischfilet zu verhindern.
Katharina König-Preuss ist im Jena der 90er Jahre aufgewachsen und beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der rechten Szene insbesondere in Thüringen. Seit 2012 sitzt sie für DIE LINKE im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss.

Sonntag, 12. November 2017 – 17:00 Uhr, Jüdische Gemeinde Pinneberg, Clara-Bartram-Weg 14, 25421 Pinneberg
NSU Watch »Aufklären & Einmischen« | »Aydınlatma ve Müdahale« nsu-watch.info

http://antifapinneberg.blogsport.de/2017/11/04/pinneberg-12-11-auf-jede-antwort-noch-mehr-fragen-der-nsu-komplex/

«NO DIRECTION HOME»

Refugees auf der Balkanroute: Das Fotobuch aus Griechenland auf Speakers Tour mit einem Fotojournalisten und einer Aktivistin

 Auf den „Sommer der Migration“ 2015 folgten schnell staatliche Repression, rassistische Hetze und die schrittweise Schließung der Balkanroute. Eine Serie von Verschärfungen des Asylrechts und der EU-Türkei-Deal folgten. Zigtausenden wurde der Weg zu ihrem Ziel abgeschnitten und endete (vorläufig) in Zeltlagern, Abschiebezentren, in der Illegalität, in selbstorganisierten Strukturen, in den Warteschleifen auf Asyl, Familienzusammenführung und Relocation.

Das Fotobuch NO DIREKTION HOME mit Arbeiten von 30 griechischen Fotografen dokumentiert die jüngste Flucht- und Migrations-Geschichte über die südöstliche Migrationsroute, die mehr als eine halbe Million Menschen nach und durch Griechenland geführt hat: von den Kriegsgebieten in Syrien über die griechischen Inseln nach Piräus, durch die Squats und Camps in Attika und den Norden nach Idomeni und weiter auf der sogenannten Balkanroute. Die Migrationsgeschichten in Bildern zeigen die Grausamkeit des europäischen Migrationsregimes und das Leid der Flucht auf „illegalen“ Routen ebenso wie die Stärke der Menschen, die diesen Weg trotz aller Abwehrmaßnahmen gegangen sind und bis heute gehen.

Im Rahmen der Buchpräsentation werden der Fotojournalist Angelos Christofilopoulos und die Aktivistin Eleni Amorgos über die aktuelle Situation in Griechenland berichten, über persönliche Erfahrungen, von der Diskrepanz zwischen dem Erlebten und der Berichterstattung darüber, über Selbstorganisation und Unterstützung, über das Leben in informellen Strukturen wie den Squats in Athen und anderswo. Gleichzeitig soll der Blick auch auf Deutschland gerichtet werden. Lokale Aktivisten*innen informieren über die Situation hier und die Arbeit ihrer jeweiligen Organisation.

Kiel: In Kooperation mit dem Flüchtlingsrat, ZBBS, nara Kiel, griechenlandsolikomitee

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Refugees auf der Balkanroute: Das Fotobuch aus Griechenland auf Speakers Tour mit einem Fotojournalisten und einer Aktivistin

 

Auf den „Sommer der Migration“ 2015 folgten schnell staatliche Repression, rassistische Hetze und die schrittweise Schließung der Balkanroute. Eine Serie von Verschärfungen des Asylrechts und der EU-Türkei-Deal folgten. Zigtausenden wurde der Weg zu ihrem Ziel abgeschnitten und endete (vorläufig) in Zeltlagern, Abschiebezentren, in der Illegalität, in selbstorganisierten Strukturen, in den Warteschleifen auf Asyl, Familienzusammenführung und Relocation.

Das Fotobuch NO DIREKTION HOME mit Arbeiten von 30 griechischen Fotografen dokumentiert die jüngste Flucht- und Migrations-Geschichte über die südöstliche Migrationsroute, die mehr als eine halbe Million Menschen nach und durch Griechenland geführt hat: von den Kriegsgebieten in Syrien über die griechischen Inseln nach Piräus, durch die Squats und Camps in Attika und den Norden nach Idomeni und weiter auf der sogenannten Balkanroute. Die Migrationsgeschichten in Bildern zeigen die Grausamkeit des europäischen Migrationsregimes und das Leid der Flucht auf „illegalen“ Routen ebenso wie die Stärke der Menschen, die diesen Weg trotz aller Abwehrmaßnahmen gegangen sind und bis heute gehen.

Im Rahmen der Buchpräsentation werden der Fotojournalist Angelos Christofilopoulos und die Aktivistin Eleni Amorgos über die aktuelle Situation in Griechenland berichten, über persönliche Erfahrungen, von der Diskrepanz zwischen dem Erlebten und der Berichterstattung darüber, über Selbstorganisation und Unterstützung, über das Leben in informellen Strukturen wie den Squats in Athen und anderswo. Gleichzeitig soll der Blick auch auf Deutschland gerichtet werden. Lokale Aktivisten*innen informieren über die Situation hier und die Arbeit ihrer jeweiligen Organisation.

Lübeck: In Kooperation mit dem Lübecker Flüchtlingsforum

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